„Plastik dürfen wir nicht!“ – Resümee Teil II

Liebe Billy!

Ver-netzung hat für mich auch eine ganz neue Bedeutung bekommen, seit ich die Sackerl von beechange bekommen habe … 😉
Seit meiner Volkschulzeit plagt mich dasselbe Gebrechen: Zerdrückte Bananen in der Schultasche, die unschöne Flecken im Hausübungsheft hinterlassen. Wunderschöne knackige Äpfel, die schon vor der ersten Pause braune Druckmale bekommen. Das hat sich in meinem jetzt unterrichtsfreien Leben nicht wesentlich geändert. ABER seit ich die weichen Netzsackerl verwende, bringe ich mein Obst unbeschadet zum Arbeitsplatz und Rucksack wie Handtasche bleiben sauber. So einfach kann’s gehen!
Milchautomat
Wir genießen nach wie vor die zeitlosen Vorteile des Milchautomaten und freuen uns, dass es jetzt auch eine Gemüse-Solawi bei uns gibt – biologische solidarische Landwirtschaft, bei der man sich an der Ernte beteiligt, egal wie sie ausfällt. Man teilt Überschuss genauso wie Mangel. Ein schönes Projekt und noch regionaler als die Biostände am Wochenmarkt!
Manches hat sich also automatisiert, manches lassen wir hie und da wieder ein wenig schleifen, weil es sich nicht ausgeht (das muss der Ehrlichkeit wegen dazugesagt werden). Generell merke ich aber, dass sich viel getan hat in meinem Hirn. Ich scanne die Regale im normalen Supermarkt jetzt nicht nur nach Bioprodukten, sondern automatisch auch nach plastikfreien Alternativen und kaufe gewisse Dinge einfach nicht mehr, weil wir sie auch nicht unbedingt brauchen.
Aber auch in unserem Umfeld hat sich einiges geändert!
Von Anfang an waren die Reaktionen der Leute das Lustigste an unserem Projekt.
Zuerst die ungläubigen Kulleraugen, wenn wir verpackte Produkte schlicht verweigern …
„Das Brot bitte ohne Sackerl.“
„Ich muss Ihnen das im Sackerl geben, Vorschrift.“
„Ach so – dann brauchen wir doch kein Brot. Danke, schönen Tag noch!“
… oder wenn VerkäuferInnen uns offensichtlich für unmündig halten …
„Nein, bitte nicht einpacken, Plastik dürfen wir nicht!“
Am beeindruckendsten war aber, wie die Einstellung meines lieben Papas sich verändert hat.
Zu Beginn war er sehr besorgt.
„Wenn du Hunger hast, ruf an. Ich kauf dir Nudeln, pack sie aus und schick sie dir in einem Stoffsackerl!“
Schon nach drei Monaten aber waren wir ein Herz und eine Seele auf dem Weg in ein plastikfreies Leben. Sein grenzgeniales Weihnachtsgeschenk:
Chilinudeln_Kissenbezug

Ein 5kg schwerer Kissenbezug, beschriftet mit „Hot Chilli“ …

… gefüllt mit selbstgemachten Bio-Chilli-Nudeln!

 

Chilinudeln_geöffneter KissenbezugDas war mein ganz persönlicher Sieg für die Winter-Saison 2013/2014. Und ich glaube fest daran, dass noch weitere Etappensiege folgen werden.
Oder wie Conchita Wurst es ausdrücken würde: „We are unstoppable!“ ;-)

Liebe Grüße nach Wien!
Sarah

 

„Auf ihr Säcke – ab in die Foodcoop!“ Resümee Teil I

Gemeinsam mit meiner Freundin Billy haben wir für den BIORAMA-Blog „Enthüllt“ unsere Plastikfrei-Werdung dokumentiert. Es waren spannende Monate mit euch!

Nun ist es Zeit für ein Resümee.

Liebe Sarah!

Vielleicht ist es an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen. Bei uns hat sich so manche verpackungsfreie Konsumpraxis mittlerweile felsenfest etabliert. Erstens wissen wir ganz genau welche Geschäfte etc. wir gezielt ansteuern und welche eben nicht (mehr).

Dann nehmen wir nach wie vor unsere Verpackungen von zu Hause mit. Diverse Boxen, Gläser oder leichtgewichtige Alternativen wie diverse Säcke eben. Dabei lohnt es sich ein gewisses Repertoire von Säcken selbst zu basteln oder in Ermangelung einer Nähmaschine oder der Fertigkeit diese verletzungsfrei zu bedienen oder natürlich auch aus reiner Bequemlichkeit formschöne, fertige Exemplare käuflich zu erwerben (z.B. Re-Sack bei www.beechange.com)

Foto: Chiari

Foto: Chiari 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und was sich auch nach wie vor absolut bewährt, ist für uns auch das Einkaufen via Foodcoop (Lebensmittelkooperative) – in vielerlei Hinsicht: kein bzw. wenig Müll, zwischenmenschlich absolut bereichernd und was die Qualität der Produkte betrifft schwer zu topen. Plus, die Kinder haben einen Heidenspaß mit der Abfüllerei (=Trockenpritscheln) und den anderen Kindern, die dort zur Einkaufszeit rumwuseln. Man kennt sich ja schließlich. Und noch ein Riesenvorteil (bzw. Riesennachteil für Dumpsternde): Lebensmittel werden in den Mengen bestellt wie sie gebraucht werden – und im Müll landet nix davon.

Foto: Chiari

Foto: Chiari


Es lebe die Foodcoop! Kein bzw. kaum Müll, und viiiiiiel Genuss!

 

 

 

 

 

Foto: Chiari

Foto: Chiari

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Badezimmer apern die verpackten Produkte weit langsamer aus als gedacht. Für Putzmittel gibt’s definitiv schon interessante Alternativen: z.B. Waschmittel Abfüllen aus der Großpackung in der Coop, das Null-Müll-System von Enjo, die Recyclingflaschen von Ecover und und und. Anderes gilt es aber noch zu knacken – z.B. die wiederbefüllbare Sonnencreme. Und wenn ich mir diesbezüglich von den Geschäftstreibenden dieser Welt etwas wünschen dürfte: ein Geschäft wie Lunzers Maßgreisslerei (evt. inspiriert von Lush), das am besten hier um’s Eck im 18ten ein breites, offenes Sortiment an in Österreich produzierter Naturkosmetik und Hygieneartikeln anbietet. Man darf ja wohl träumen.

Und wie siehst bei Euch aus – was tut sich in Vöcklabruck?

Blumige Frühlingsgrüße,
Billy

Do it yourself – Anleitung zum Plastiksparen

Do it yourself – Wege in die (Müll-)Freiheit!
© Sybille Chiari

Verschafft Dir Dein Mistkübel noch immer unnötig viel Bewegung? Wir haben ein paar alltagstaugliche Schritte zusammengefasst, um Dir den Weg in die Müllfreiheit zu ebnen. Erwünschte Nebenwirkungen: unzählige Ahhh-/ Mmmh-/Sowas gibt’s!?-Erfahrungen, versprochen!
1. Sorge für Ebbe im Briefkasten


Sammle 2 Wochen den ganzen Werbe & Katalog-Schmarrn der trotz „Keine Werbung“-Aufkleber in Deiner Post landet. Rufe die Versender ebendieser kurz durch und verkünde keine weiteren (z.B. Katalog-) Zusendungen zu wünschen. Dauert 5min, spart enorm viel.

 

2. Nimm Dir Zeit für eine ausgedehnte Einkaufs-Entdeckungstour

Recherchiere Geschäfte, Märkte, Foodcoops mit offenen Produkten in Deiner Nähe, mache Dir eine Öffnungszeitenliste und verschaffe Dir vor Ort einen Überblick über das Sortiment. Dauert ein bissl, lohnt sich aber.

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3. Einkaufstoolkit

Ohne Verpackung einzukaufen heißt, dass Du die Verpackung von zu Hause mitnehmen musst. Klingt banal, muss aber im Alltag erst geübt werden. Daher bewährt es sich einen Einkaufs-Toolkit immer griffbereit zu Hause bereitstehen zu haben. Enthält verschieden große Boxen, Stoff-/ Papiersäcke, Flaschen in die Du Dir offene Produkte (von Brot über Käse bis Antipasti, Öle und Reinigungsmittel etc.) gleich so einpacken/abfüllen lassen kannst. Gute Geschäfte machen das unserer Erfahrung nach mehr als gerne (siehe Links). Eine Minivariante des Toolkits (Stoffsackerl + kleine Box um z.B. einen Mittagssnack zu verstauen) hat in jeder Handtasche Platz und sollte natürlich immer und überall dabei sein.

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Einkaufs-Toolkit für größere Einkäufe

 

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Minitoolkit für die Handtasche

 

4. Pimp your bike

Selbst der schwerste von Pfandgläsern gespickte Einkauf kann ohne Problem am Rad heimgestrampelt werden (z.B. mit Fahrradanhänger, -packtaschen, -körben oder natürlich auch  zu Fuß z.B. mit Nachziehtasche)

 

5. Hunger (aah) vs. Slowfood (mmh)

Gerade im Winter braucht die müllarme Küche oft mehr Geduld, als das allabendlich akut werdende Hungerloch zulässt. Trotzdem kann man locker gegen die ewige Nudeln-mit-Sugo-Monotonie ankochen. Müllfreier Fastfood geht wirklich watscheneinfach, wenn man glückliche/r Besitzer/in eines Druckkochtopfs ist. Wenn nicht -> her damit, unbedingt anschaffen! Selbst Härtefälle, die wegen ihrer unendlich wirkenden Kochzeiten oft gänzlich vom Speiseplan verbannt wurden (Kartoffeln, Bohnen, Kraut & Co) sind so wirklich ratzfatz essfertig. Mahlzeit!

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6. Stück für Stück weg von den Plastikflaschen

Ersetze leer werdende Plastikflaschen im Bad durch Seifen oder ähnliches Stückwerk. Shampoo, Conditioner, Duschgel, Bodylotion etc. gibt’s offen am Stück und können qualitätsmäßig mit den Kollegen von der Plastikflaschenfront absolut mithalten.

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7. Genieße das große Kribbeln

Für echte Freaks gibt es Zahnreinigungstabletten im Recyclingkarton. Einfach zerkauen und putzen. Eine wirklich kribbelnde Erweiterung des Mundhygiene-Erlebnishorizonts! Stilecht nur in Kombination mit Bambus- oder Holzzahnbürsten zu verwenden.

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8. Verschenke keinen Schrott

Innen nicht und außen genauso wenig. Egal zu welchem Anlass, bunte Stoffreste sind eine ideale, 1000-mal wiederverwendbare Verpackung für Geschenke und machen echt was her. Einfach Stoffreste sammeln oder kaufen, Ränder mit Omas-/Mutters-/Tantes Zackenschere  gegen das Ausfransen einmal abschneiden und fertig.

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Leben ohne Plastik_WDR Kinder-Doku

Leben ohne Plastik – ein Thema, das mich seit Anfang September beschäftigt.
Da ist einiges in Bewegung gekommen!

Immer wieder fragen mich Leute danach
(„Aber was kauft ihr denn dann?“ – „Putzt ihr euch die Zähne?“).
Besucher bringen mir Schokolade mit, wenn sie auf Besuch kommen
und stecken die Verpackung dann stillschweigend in ihre Manteltaschen,
damit sie unsere Müllstatistik nicht durcheinander bringen.
Freunde schicken mir Artikel Links zum Thema Plastik.

Wie zum Beispiel gestern.
Da hat mich meine liebe Freundin Andrea auf eine Kinder-Doku aufmerksam gemacht:
Für „Neun 1/2“, das WDR-Nachrichtenmagazin für Kinder,
hat Reporter Johannes seine Wohnung komplett von Plastik befreit
und 2 Tage lang im Selbstversuch ausprobiert,
was ein Leben ohne Plastik für die Lebensqualität bedeutet.

Pädagogisch wertvoll – und äußerst wertvoll auch für unser Selbstbewusstsein:
Juhu, das alles haben wir selbst schon ausprobiert!

Link zum Podcast: Neun1_2_Die Reporter_Leben ohne Plastik

Neun1_2_Leben ohne Plastik_Information

Vorbild Rwanda: Plastiktüten verboten

Von Jänner bis Juni 2011 waren wir in Rwanda,
der beste Ehemann von allen und ich.
Nach Lusaka, Nairobi, Addis Abeba und Lilongwe
war Kigali die 5. afrikanische Hauptstadt,
die wir für längere Zeit unser Zuhause nennen durften.

Ankommen und Sich-Zurechtfinden lernt man ja mit der Zeit.
Interkulturelle Kompetenz heißt das, sagt die Fachliteratur.
Trotzdem: In Kigali und Umgebung fanden wir uns zuerst nicht zurecht.

Foto: privat

Foto: Hes

Der Amahoro-Friedensmarathon in Kigali. Asphaltierte Straßen ohne Löcher – und OHNE MÜLL???

Foto: Orlovský

Foto: Orlovský

Lehmstraßen am Land – OHNE MÜLL???

Foto: Orlovský

Foto: Orlovský

Wo waren wir hier gelandet?
„Afrikanische Schweiz“ nennt der Reiseführer dieses grüne Land mit der schrecklichen Vergangenheit – und der unglaublich sauberen Gegenwart.

Das Geheimnis:
Plastiksackerl sind in Rwanda verboten.
Ganz einfach.
Und irrsinnig effizient.
„Wie soll das gehen?“, fragten wir uns am Anfang.
Die überraschende Einsicht schon nach 2 Wochen: ES GEHT!

Sogar wenn man rohes Fleisch kauft.
Man muss es nur schnell nach Hause transportieren (am besten per Mototaxi = Moped)
und dann die Papierrückstände mit kaltem Wasser abwaschen.

Zugegeben: Ein Mal haben wir geschummelt.
Als wir die Vulkane Karisimbi und Nyiragongo bestiegen haben.
Da war uns der trockene Schlafsack eine Gesetzesübertretung wert.
Die zwei Plastiksackerl hatten wir klein zusammengefaltet
in der Innentasche unserer Regenjacken über die Grenzen geschmuggelt.

Artikel zum Thema:

RWANDA_Artikel_Tüten mitbringen verboten_ 2013-11-04

Für den ganzen Artikel auf das Foto klicken.
Auch als Audio-Datei zum Download verfügbar:

RWANDA_Audiodatei_Tüten mitbringen verboten_ 2013-11-04

 

Feuchtpapier – the new generation

Das Projekt „enthüllt“ war eigentlich mit Ende September vorbei –
das Leben ohne Plastik geht weiter.
Was wir an (Erfahrungs-)schätzen gesammelt haben,
pflegen wir,
und immer noch sind wir am Ausprobieren.

Der beste Ehemann von allen hat es nun geschafft:
Wir präsentieren:
FEUCHTTÜCHER 2.13!

Bastelanleitung:

Feuchttücher 1

Papierhandtücher (aus Kartonverpackung)
gedrittelt (Brotmesser eignet sich verbunden mit entsprechendem Muskelschmalz)

 Feuchttücher 5

Vorsichtig in Wasser tränken

Feuchttücher 3

 

Luftdicht in eine leere Dose verpacken
(das Eis hatten wir schon letztes Jahr gekauft und die Dose aufgehoben – großes schwör!)

Feuchttücher 4

Voilá – Feuchttücher, the new generation!

Den Vorschlag meines Papas,
das Rezept mit Olivenöl zu veredeln,
lassen wir uns gerade intensiv durch den Kopf gehen.

Aber irgendetwas in mir wehrt sich noch …